In Liebe mit dem Verstorbenen verbunden

Roland Kachler: Neuer Ansatz in der Trauerbegleitung

Trauer bedeutet nicht, Verstorbene loszulassen:

Der Psychotherapeut und Autor Roland Kachler stellt einen lange verbreiteten Gedanken der Trauerarbeit infrage. Trauernde müssten Verstorbene loslassen, um weiterleben zu können. Sein neuer Ansatz in der Trauerbegleitung geht in eine andere Richtung. Nicht das Loslassen steht im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie eine innere Beziehung zum verstorbenen Menschen weiterleben kann.

Kachlers zentrale Aussage lautet: Der Tod beendet das Leben eines Menschen, aber nicht die Liebe zu ihm. Für viele Trauernde ist dieser Gedanke entlastend. Denn wer einen nahen Menschen verliert, möchte ihn oft nicht vergessen oder innerlich wegschieben. Die Liebe bleibt – und mit ihr der Wunsch nach Verbindung.

Wie Roland Kachler seinen Ansatz entwickelte

Roland Kachler kam durch eine persönliche Erfahrung zu diesem neuen Verständnis von Trauer. Nach dem Tod seines 16-jährigen Sohnes merkte er, dass er ihn weder loslassen wollte noch konnte. Damals passte dieses Empfinden kaum zu den gängigen Vorstellungen in der Trauerpsychologie.

Statt gegen seine Gefühle zu arbeiten, suchte Kachler nach einem Weg, sie psychologisch zu verstehen. Daraus entstand sein Ansatz: Trauernde dürfen eine Beziehung zum Verstorbenen behalten. Entscheidend ist, diese Beziehung zu verändern und neu zu gestalten.

Die innere Beziehung zum Verstorbenen

Im Zentrum von Kachlers Trauerbegleitung und Therapie steht die innere Beziehung. Viele Trauernde erleben diese Verbindung ganz konkret. Sie sprechen am Grab oder vor einem Foto mit dem Verstorbenen, träumen von ihm, erinnern sich an gemeinsame Situationen oder spüren seine Nähe durch Kleidung, Gerüche, Orte und Rituale.

Für Kachler sind solche Erfahrungen kein Zeichen dafür, dass jemand den Tod nicht akzeptiert. Im Gegenteil: Trauernde können den Tod anerkennen und zugleich die Liebe weiterleben lassen. Der Verstorbene ist körperlich nicht mehr da, kann aber innerlich präsent bleiben.

Mit der Zeit verändert sich diese Beziehung. Aus einer schmerzhaften, suchenden Nähe kann eine ruhigere Verbindung werden. Der Verstorbene kann zu einem inneren Begleiter werden – manchmal auch zu einer Ressource, die Halt gibt und bei Entscheidungen Orientierung schenkt.

Wenn ungelöste Konflikte bleiben

Kachlers Ansatz idealisiert die Beziehung zu Verstorbenen nicht. Manche Menschen sterben, während Konflikte, Schuldgefühle oder offene Fragen zurückbleiben. Besonders belastend kann das nach einem Suizid oder nach schwierigen Beziehungen sein.

Auch solche Themen gehören zur inneren Beziehungsarbeit. Trauernde können versuchen, das Ungelöste auszusprechen, etwa in Briefen an den Verstorbenen. So können Wut, Schuld, Liebe oder offene Fragen einen Platz bekommen. Ziel ist nicht, die Vergangenheit schönzureden, sondern die innere Beziehung zu klären.

Der sichere Ort in der Trauer

Ein wichtiger Begriff bei Roland Kachler ist der „sichere Ort“. Viele Trauernde haben Angst, der Verstorbene könne ins Nichts fallen oder vergessen werden. Ein sicherer Ort hilft, den Verstorbenen innerlich zu bewahren.

Dieser Ort kann sehr unterschiedlich sein: die Erinnerung, der eigene Körper, ein Grab, eine Gedenkecke in der Wohnung oder ein spiritueller Ort. Für religiöse Menschen können Bilder wie die Hand Gottes, das Haus Gottes oder das ewige Licht tröstlich sein.

Der sichere Ort gibt dem Verstorbenen einen Platz. Von dort aus kann die innere Beziehung weitergelebt werden.

Zeichen, Symbole und Rituale

Kachler ermutigt Trauernde, symbolische Zeichen ernst zu nehmen. Manche Menschen erleben die Nähe eines Verstorbenen in einem Schmetterling, einem Vogel, einem Lichtstrahl, einem Lied oder einem besonderen Moment in der Natur. Außenstehende mögen das als Zufall sehen. Für Trauernde können solche Erlebnisse jedoch Trost spenden und die Verbindung stärken.

Auch Rituale spielen eine wichtige Rolle. Geburtstage, Todestage oder besondere Orte können helfen, die Beziehung bewusst zu gestalten. So bleibt der Verstorbene nicht nur Erinnerung, sondern Teil des inneren Lebens.

Trauerbegleitung mit und ohne Religion

Kachlers Ansatz ist auch ohne religiösen Glauben denkbar. Zwar arbeitet er auch mit spirituellen Bildern, doch der sichere Ort muss nicht religiös verstanden werden. Viele Trauernde finden ihn in Erinnerungen, im Körpergefühl, in inneren Bildern oder in persönlichen Ritualen.

Gleichzeitig nimmt Kachler die Frage ernst, die der Tod aufwirft: Gibt es einen Ort jenseits unserer Wirklichkeit, an dem der Verstorbene aufgehoben ist? Für manche Trauernde ist diese Vorstellung wichtig, besonders wenn sie auf ein Wiedersehen hoffen.

Fazit: Trauerarbeit als Beziehungsarbeit

Der neue Ansatz in der Trauerbegleitung nach Roland Kachler besteht darin, Verstorbene nicht loslassen zu müssen. Trauer bedeutet nicht, die Beziehung zu beenden. Sie bedeutet, diese Beziehung zu verwandeln.

Trauerarbeit wird so zur inneren Beziehungsarbeit. Sie hilft, den Tod anzuerkennen, ohne die Liebe aufzugeben. Ein geliebter Mensch ist gestorben – aber die Verbindung zu ihm kann weiterleben.

Für viele Menschen, die sich von mir auf ihrem persönlichen Trauerweg begleiten lassen, ist dieser Gedanke sehr tröstlich und sie teilen mir im Gespräch immer wieder erleichternd mit:

„Oh ja, danke, dass tut mir jetzt richtig gut. Mein geliebter Mensch ist gestorben, aber die Verbindung zu ihm kann ich weiterleben“.

Diese Erfahrung wünsche ich Dir als Trauerbegleiter von Herzen auch!

Andreas Bergmann Logo

Psychoonkologischer Berater 
Trauerbegleiter
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01067 Dresden

Ab Bahnhof Mitte 5 Min. Fußweg

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